Fineliner punktiert Fläche I
Der Künstler René Dietle sprengt die traditionellen Raum- und Zeitgrenzen seines
Mediums. Die Ausführung seiner kleinteiligen, grafischen Arbeiten erstreckt sich
meistens über mehrere Monate, und seine sehr dichten Kompositionen können
ganze Räume füllen.
Der gelernte Architekt, der auch dreidimensionale Arbeiten realisiert, entwickelt bei
seinen Zeichnungen eine obsessive und meditative Tiefe mit schwindelerregender
Wirkung. Seine Arrangements belegen eine extrem arbeitsintensive und atypische
Methode. Wie für die Formulierung eines Mantras, wiederholt Dietle immer wieder die
gleiche Geste auf Papier in geschlossener All-over-Technik. Die kleinen
Zeichenverdichten sich und bilden Cluster unterschiedlicher Größen. Die geistige
Energie, die Konzentration und die Aufmerksamkeit, die sich während dieser
Tätigkeit entfalten, sind integrale Bestandteile der Arbeit.
Der Titel seines Beitrages für DIE GROSSE, Fineliner punktiert Fläche I, fasst genau
zusammen, was zu sehen ist: Mit einem handelsüblichen, dünnen Filzstift füllt Dietle
eine Fläche aus, indem er eine immer gleiche, monotone Punktierung auf dem Papier vornimmt.
Bei Sitzungen von zwei bis drei Stunden am Tag hat Dietle ein Vierteljahr an dem Triptychon gearbeitet.
Am Ende dieses langen Verfahrens wird die Zeit der Ausführung förmlich sichtbar gemacht.
Die dicht gewobenen Blätter sind nicht nur das gestalterische Ergebnis der Arbeit des Künstlers,
sondern vor allem die Kristallisierung einer stillen und meditativen Tätigkeit.
Dr. Emmanuel Mir, Ausstellungsleiter
DIE GROSSE
Kunstausstellung NRW
Text zum Audioguide
Die Große Kunstausstellung NRW,
Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2025